Notaranderkonto (Anderkonto)



Notaranderkonto (Anderkonto)Das Notaranderkonto ist ein Treuhandkonto, auf das Käufer einer Immobilie oder anderer Güter den Kaufpreis überweisen, um den Immobilienkauf zu sichern. Der Notar verwaltet auf dem Anderkonto - einem treuhänderisch verwalteten Girokonto - das Geld, bis der Kaufvorgang vollständig abgeschlossen ist. Als Verwalter des Kontos greift der Notar keinesfalls auf das hinterlegte Geld zu, damit würde er sich strafbar machen. Das Guthaben gehört auch nicht zu seinem Vermögen. Die Sicherheit beider Parteien ist der große Vorteil von einem Notaranderkonto (Anderkonto).



Notaranderkonto im Kontext der Baufinanzierung



Bei Immobilienkäufen erfolgt der sichere Geldtransfer über das Notaranderkonto. Erst nachdem der Käufer in das Grundbuch eingetragen und damit als neuer Eigentümer von Grundstück und Immobilie rechtlich abgesichert wurde, überweist der Notar die Summe an den Verkäufer. Dieser benötigt etwas Geduld, die Eintragung kann unter Umständen zwischen drei und zwölf Monaten dauern. Das ist zwar selten, in den meisten Fällen vergehen nur einige Tage bis Wochen, doch de jure kann nicht der Verkäufer das Geld vor dem Grundbucheintrag erhalten. Für das Führen eines Notaranderkontos entstehen Gebühren, die sich in den meisten Fällen die Kontrahenten (Käufer und Verkäufer) teilen. Die Gebühren werden nach einem festgelegten Hebesatz entsprechend der Kaufpreissumme berechnet und sind gesetzlich geregelt. Beide Seiten benötigen das Notaranderkonto: Der Käufer kann fristgerecht zahlen, der Verkäufer ist sich sicher, dass die Summe geflossen ist. Der Käufer erhält während der Zeitdauer der Eigentumsübertragung die Sicherheit, dass das Eigentum nicht durch eine eventuelle Insolvenz des Verkäufers verloren gehen kann.

Kosten des Notaranderkontos



Die Gebühren eines Notaranderkontos berechnen sich anders als übliche Kontoführungsgebühren. Zwei Faktoren spielen eine Rolle: die Kaufpreissumme und der Hebesatz, der sich aus § 149 der Kostenordnung ergibt. Gezahlt werden die Gebühren bei der Auszahlung des Geldes. Es gelten folgende Hebesätze:
  • bis 2.500 Euro: 1,0 %
  • 2.501 bis 10.000 Euro: 0,5 %
  • ab 10.001 Euro: 0,25 %
Die Mindestgebühr beträgt 1,00 Euro.

Kostenberechnung der Gebühren



Die Gebühren werden entsprechend der Hebesätze auf Einzelsummen aufgeteilt. Für 150.000 Euro werden also nicht pauschal 0,25 % = 50 Euro fällig, sondern die Einzelkosten bis 2.500, von 2.501 bis 10.000 und von 10.001 bis 150.000 Euro. Es entsteht folgende Rechnung:
  • 2.500 Euro x 1,0 % = 25 Euro
  • 7.499 Euro x 0,5 % = 37,495 Euro (Differenz zu 10.000 Euro)
  • 139.999 Eur x 0,25 % = 350 Euro (Differenz zwischen 10.001 und 150.000 Euro)
  • Gesamt: 412,49 Euro
Diese Gebühren behält der Notar ein.

Juristische Aspekte des Notaranderkontos



Natürlich herrschen Bedenken, wie ein Notar mit dem Geld auf seinem Notaranderkonto verfahren könnte, und in der Tat gibt es sehr seltene Fälle der Veruntreuung. Dabei ist zu bedenken, dass auf dem Anderkonto teilweise recht hohe Summen verwahrt werden können, wenn ein Notar parallel mehrere Kaufvorgänge verwaltet. Sollte es so einen Fall geben, wird der Notar per internationalem Haftbefehl gesucht, es kommt daher wirklich nur äußerst selten vor. Notarkammern haben für solche Fälle einen Notarversicherungsfonds eingerichtet (die Haftpflichtversicherung des Notars springt nicht ein), sodass Bedenken vonseiten der Käufer und Verkäufer gegen das Anderkonto nur selten begründet sind. Ein weiterer juristischer Aspekt betrifft die Verwahrung von Geldern, die möglicherweise unredlichen Zwecken dienen könnten. Der Notar muss nach § 54d BeurkG (Beurkundungsgesetz) die Auszahlung unterlassen, wenn ein begründeter Verdacht auf ein illegales Geschäft besteht. Die Sicherheit eines Notaranderkontos wiederum entsteht auch durch die Art der Führung: Es handelt sich um ein offenes Treuhandkonto (im Gegensatz zum verdeckten Treuhandkonto), die treuhänderischen Verhältnisse sind also einsehbar.





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